| Gruber: | Herzlich
willkommen, liebe Zuschauer, zu Alpha-Forum. Heute haben wir ein kleines
Problem, denn worüber sollen wir reden? Sollen wir reden über den Ursprung
des Lebens? Sollen wir reden über künftige Computertechniken? Sollen wir
reden über Reisen zum Mars? Alles das sind Themen, über die wir uns mit unserem
heutigen Gast unterhalten können. Lieber Professor Heckl, herzlich willkommen
bei uns im Studio. Dieses gesamte Spektrum von Themen hat mit Nano zu tun.
Was ist Nano? Das ist ein Schlagwort in aller Munde: Erklären Sie es uns
bitte. | | Heckl: | Das
ist eine schwierige und einfache Frage zugleich. Nano ist das, was uns umgibt.
Zunächst einmal ist das eine Skala: Das griechische Wort "nanos" für "Zwerg"
steht eigentlich dafür. Das, was uns umgibt, ist ja aufgebaut aus Atomen
und Molekülen. Und Nano ist einfach die Dimension, die so ein Atom oder Molekül
hat. Ein Nano ist also ein Milliardstel Meter: Das ist ungefähr ein 2000stel
der Dicke eines Haares. | | Gruber: | Vorstellen
kann man sich das ja ohnehin nicht. Sie haben uns hier ein paar wunderschöne
Dinge mitgebracht, die uns beweisen, dass Sie Professor für Experimentalphysik
sind, und zwar an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Dieses schwere
Teil hier soll, so haben Sie es mir vorhin erklärt, etwas symbolisieren,
mit dem man diese Nanowelt sichtbar machen kann. Dieses Ding schaut fast
aus wie eine Pagode und hat oben dran eine ganz, ganz feine Spitze. Ist das
sozusagen ein Gerät, um Nano zu machen? | | Heckl: | Nun,
das ist ein Modell des Gerätes, das mein Lehrer Gerd Binnig erfunden hat.
Dafür hat er 1986 auch den Nobelpreis für Physik erhalten. Das ist das so
genannte Rastertunnelmikroskop. Ich habe hier ein kleines, funktionierendes
Rastertunnelmikroskop mitgebracht. Weil man hier an diesem Gerät aber nur
so wenig erkennen kann, ist das Ding, das Sie in der Hand haben, das große
Modell dazu. Die zentrale Einheit an diesem Instrument ist jedenfalls hier
diese Spitze: Das ist eine Spitze, die an ihrem Ende ein Atom trägt. Mit
dieser atomaren Spitze konnten wir zum ersten Mal in die Welt der Atome,
in die Welt der Moleküle hineinschauen. | | Gruber: | Dieses
eine Atom, davon gehen wir jetzt einfach mal aus, das die Spitze bildet,
das ist eigentlich der Teil, der uns diese Bilder aus der Nanowelt liefert.
| | Heckl: | Ja, denn
dieses eine Atom tritt sozusagen in Wechselwirkung mit den Atomen von z.
B. so einem Graphitkristall. Hier, an einem weiteren Modell, sieht man solche
Atome: Das sind hier diese schwarzen Kügelchen. Wenn man nun mit der Spitze
des Rastertunnelmikroskops über diese schwarzen Kügelchen drüber fährt und
jeweils den Strom zwischen dem Spitzenatom und in diesem Fall den Atomen
dieses Kristalls misst, dann kann man ein Bild erzeugen. So wurde zum ersten
Mal ein Bild dieser Atome produziert. Man kann damit also nun dieses uralte
griechische Prinzip, dass es kleinste unteilbare Teilchen bzw. Einheiten
der Materie gibt, zum ersten Mal visuell darstellen. | | Gruber: | Das
erinnert nun vielleicht ein wenig an den Schulunterricht: Für manche mag
das jetzt sogar eine etwas unangenehme Erinnerung sein. Aber Sie haben uns
das Ganze ja auch noch viel attraktiver mitgebracht, nämlich in Form einer
Computeranimation. Vielleicht können wir uns die nun ansehen und Sie erklären
dabei, was da passiert. (Die Computeranimation wird eingeblendet) | | Heckl: | Das
ist eine Animation, die zeigt, wie diese Spitze des Rastertunnelmikroskops
über solche Atome und Moleküle drüberrastert. Und man sieht dann eben, wie
man sich diese nanoskopischen Bewegungen vorzustellen hat. Man sieht hier
einen gelben Strom. Diese Spitze, diese Nadel, misst den Strom zwischen den
Atomen und Molekülen, die auf so einer Graphitoberfläche liegen. In diesem
Fall sind es hier DNA-Moleküle. Dadurch, dass das Gerät diesen Strom misst,
kann man diese Atome nanometergenau auflösen und zum ersten Mal Bilder von
ihnen erzeugen. | | Gruber: | DNA-Moleküle sind Moleküle unserer Erbsubstanz. | | Heckl: | Ja,
jeder kennt die vier Basen, die vier Buchstaben des genetischen Codes, die
unser genetisches System ausmachen und bestimmen. So ein Molekül haben wir
soeben in der Animation gesehen. | | Gruber: | Gehen
wir mal davon aus, dass das wirklich jeder kennt, dass das mittlerweile sozusagen
Allgemeinwissen geworden ist. Sie haben soeben von der Erbsubstanz, also
von der DNA bzw. von der DNS in der deutschen Abkürzung gesprochen: Das ist
doch biologisches Material! Wenn ich es richtig verstehe, dann hat die Entstehung
dieses Rastertunnelmikroskops und überhaupt dieser Nanoskope mit der Computertechnik
zu tun. Gerd Binnig ist ja auch am Forschungslabor von IBM tätig. Das ist
doch eine ganz andere Welt: Das war sozusagen die Ursprungswelt dieser Technologie.
Wie kommt es nun dazu, dass man das auch bei Lebendigem einsetzt? | | Heckl: | Sie
haben vollkommen Recht, Herr Gruber. Zunächst einmal war wirklich nur daran
gedacht, Atome und dabei insbesondere Halbleiter abzubilden. Die ersten Bilder
einer Siliziumkristalloberfläche waren dann ja auch ausschlaggebend dafür,
dass der Nobelpreis für diese Technik vergeben wurde. Aber man hat natürlich
schon damals gespürt, dass es eigentlich sehr viel interessanter wäre, sozusagen
in den biologischen, in den medizinischen Bereich auch hineinzukommen. Hierbei
handelt es sich aber nun einmal nicht um Halbleiter, also um feste Kristalle,
sondern um organische, biologische Moleküle. Die wollte man auch gerne mit
so einer hohen Auflösung abbilden. Das Problem lag natürlich darin, dass
man normalerweise nur leitfähige Dinge abbilden kann, weil man ja, wie wir
gesehen haben, dafür diesen Strom braucht. Und organische Moleküle sind nun
einmal nicht leitfähig. Wir haben aber eine Technik erfunden, mit der man
solche Moleküle ganz dünn auf eine Oberfläche aufbringen kann: in einer,
wie wir das nennen, ein-molekular-dicken Schicht, also in einer wahnsinnig
dünnen Schicht. Bei so einer geringen Schichtstärke erlaubt das Rastertunnelmikroskop
nun auch solche organischen Moleküle zu sehen. Deshalb waren wir damit zum
ersten Mal in der Lage, überhaupt Bilder von DNA-Molekülen, genauer gesagt,
von DNA-Basen, also von diesen vier Buchstaben des genetischen Codes, herzustellen.
Nach Watson und Crick – selbstverständlich ohne uns jedoch mit ihnen vergleichen
zu wollen – wussten wir ja im Grunde bereits, wie die DNA in ihrer Doppelhelix
aufgebaut ist: Aber gesehen hatte das halt noch nie jemand. | | Gruber: | Die
beiden, Watson und Crick, haben die Struktur dieses Moleküls aufgeklärt.
Es ist aber doch ein wenig schwierig, sich vorzustellen, was man dabei letzten
Endes wirklich sehen kann: Woraus bestehen denn Atome? Gibt es denn noch
eine andere Möglichkeit, es irgendwie sinnfällig zu machen, was da passiert?
Wir haben soeben bereits eine Animation gesehen: Wie kann man das also dem
Laien näher bringen? | | Heckl: | Ich
weiß schon, worauf Sie hinauswollen. Zunächst einmal gibt es hier natürlich
auch diese Kalottenmodelle von solchen DNA-Molekülenbasen. So machen wir
uns das also quasi im Legobaukasten klar. Nur ist dieses Modell hier natürlich
auch um eine Milliarde zu groß. Wir haben soeben gesehen, dass wir Atome
so weit vergrößern können, dass sie für uns über unseren visuellen Kanal,
also über das Auge, darstellbar werden. Es gibt nun aber noch einen anderen
Zugang für unsere Sinne, und dieser Zugang ist das Ohr. Das ist der Audiokanal.
Unser Audiokanal arbeitet z. T. viel empfindlicher als der visuelle Kanal:
Er hört z. B. logarithmisch. Ich habe Ihnen daher ein Beispiel mitgebracht,
wie sich Atome nicht nur anschauen, sondern auch anhören lassen. Das ist
jetzt hier eine Premiere, eine Uraufführung sozusagen. Man kann also auch
Töne aus diesen Atomen herauskitzeln. | | Gruber: | Wir fühlen uns geehrt. | | Heckl: | Ich
führe Ihnen das jetzt mal vor hier, wenn es klappt und funktioniert.(Professor
Heckl schaltet den mitgebrachten Laptop ein und man hört über den Lautsprecher
des Laptops eine kurze Sequenz von Tönen) | | Heckl: | Wir haben soeben vier Atome gehört. Das hört sich ein bisschen an wie Musik von Stockhausen, nicht wahr? | | Gruber: | Ja, wie moderne Musik. Welche Information steckt denn nun drin in diesen Tönen? | | Heckl: | Man
muss sich die Atome in einem Bild quasi wie Kartoffeln vorstellen. Es geht
hier also um die Elektronendichteoberfläche, wie der Physiker sagen würde.
Dabei geht es immer auf und ab: Bei vier Atomen geht es drei Mal rauf und
runter. Und dieses Rauf- und Runtergehen kann man nun entweder in Grauwerte
übersetzen, sodass man das sehen kann, oder man kann es in Tonwerte übersetzen.
Wir haben dazu quasi eine Partitur geschrieben: Die Noten existieren dann
also und diese Noten kann man dann spielen. Man kann somit die Anordnung
der Atome bzw. diese Elektronendichteoberfläche, dieses quantenmechanische
Bild, übersetzen in ein Musikstück. | | Gruber: | Sie
haben schon erwähnt, dass Sie auch die Erbsubstanz, die DANN, untersucht
haben. Da kann man sich natürlich sehr gut vorstellen, dass plötzlich unsere
Erbsubstanz zum Klingen kommt. | | Heckl: | Ja, das kann man sich vorstellen und ich bin auch ganz gespannt darauf, wie sich das eines Tages anhören wird. | | Gruber: | Das ist also noch nicht passiert. | | Heckl: | Das
ist noch nicht passiert, weil wir mit diesem Projekt erst ganz am Anfang
stehen. Es ist tatsächlich geplant, die Partituren dazu so zu schreiben,
dass wir auch verschiedene Instrumente einsetzen können, also auch ein Schlagzeug
und eine Gesangsstimme, sodass am Ende ein ganzes Orchester diese atomaren
Landschaften als Tonlandschaften entstehen lassen kann: Während sozusagen
das Bild der atomaren Landschaften oder der molekularen Landschaften oder
der Erbsubstanz in dieser hoch aufgelösten mikroskopischen Technik entsteht,
entsteht gleichzeitig das Klangbild dazu. Mit diesen beiden Kanälen, die
die beiden Hauptsinnesorgane des Menschen ansprechen, bekommen wir im Grunde
genommen ein ganzheitliches Bild der Quantenwelt vor Augen und Ohren. | | Gruber: | Der
Physiker ist also zum Komponisten, zum Musiker, zum Künstler geworden. Dieses
Gebiet der Kunst interessiert Sie ja ohnehin sehr stark. Denn Sie haben dieses
ganze Gebiet auch noch weiter in die bildende Kunst hineingetragen. Vielleicht
können wir hierzu ebenfalls kurz ein Bild einblenden. (Ein von Professor
Heckl gemaltes Bild eingeblendet) | | Heckl: | Das
ist nun eine künstlerische Darstellung der Dinge, die wir im Labor machen.
Hier gibt es die DNA-Moleküle, die sich zu größeren Einheiten, zu dieser
Doppelhelix assemblieren. Diese Atome, aus denen diese DNA-Moleküle bestehen,
bilden wir mit dem Rastertunnelmikroskop ab, das hier ebenfalls schematisch
angedeutet ist. Das ist sozusagen die bildliche Übersetzung dessen, was als
grobe, nackte Technik im Labor existiert. Es ist natürlich immer schon so
gewesen, dass die Natur etwas sehr Kunstvolles ist und Kunst und Natur, Kunst
und Physik, Kunst und Naturwissenschaft durchaus einen ganz engen Bezug zueinander
haben. Dieser Kanal über die Sinne ist ja etwas sehr Wichtiges, vor allem
wenn man meinetwegen an Schüler denkt oder an Menschen, die der Technik nun
nicht so nahe stehen. Das ist also für uns ein Hilfsmittel, diese doch etwas
komplizierte Technik, diese unfassbaren Möglichkeiten, die wir heute haben,
indem wir Atome und Moleküle sichtbar machen können, auch diesen Menschen
etwas näher zu bringen. | | Gruber: | So
wie Sie das schildern und darstellen und angesichts der Dinge, die Sie uns
mitgebracht haben, ist es nur zu verständlich, dass Sie im Jahr 2002 vom
"Stifterverband für die deutsche Wissenschaft" den Kommunikatorpreis erhalten
haben. Es ist Ihnen wirklich ein Anliegen, verstanden zu werden: vielleicht
nicht von jedermann, aber doch auch von Leuten, die nicht Physik studieren
oder studiert haben. | | Heckl: | Man
kann es so sagen: Wer ein liebevolles Auge hat, dem werde ich meine Dinge
beizubringen versuchen. Das hat ja auch für mich eine wichtige Funktion.
Das betrifft nämlich einen Aspekt, den Einstein einmal so formuliert hat:
"Wenn man es der eigenen Oma nicht erklären kann, dann hat man es selbst
nicht verstanden!" Das heißt, dieses Runterskalieren, dieser Versuch, anderen
Leuten zu erklären, was man da im Labor tut, woraus die eigene Wissenschaft
besteht, hilft also auch mir selbst zu verstehen, was ich da eigentlich mache.
Aber auf der anderen Seite hat die Gesellschaft natürlich auch einen Anspruch
darauf zu wissen, was wir tun. | | Gruber: | An
der Hochschule gibt es ja Forschung und Lehre. Die Lehre kommt dabei oft
zu kurz. Für Sie ist das jedoch eine ganz wichtige Tätigkeit, wie ich annehme.
| | Heckl: | Bei uns
kommt die Lehre überhaupt nicht zu kurz. Denn wir wissen doch ganz genau:
Die beste Lehre erzeugt auch die beste Forschung und umgekehrt. Man kann
nur dann forschenden Nachwuchs rekrutieren, wenn man den Nachwuchs begeistern
kann, wenn man ihn so gut wie möglich mittels der Lehre ausbildet. Das ist
also eine Einheit: Für uns gehören Forschung und Lehre zusammen. | | Gruber: | Es
mag ja manchen als Spielerei vorkommen, wenn Sie solche Bilder malen, wenn
Sie solche Töne generieren. Wie wird das denn in der Professorenlandschaft
selbst aufgenommen? | | Heckl: | Die
Spielerei ist natürlich etwas, das dem Forscher sozusagen als Grundanlage
gegeben sein muss. Denn man entdeckt nur dann neue Dinge, kommt nur dann
auf neue Erkenntnisse, wenn man im Grunde genommen spielt. Wir sind also
alle große Spieler geblieben: Wir sind als Erwachsene in einem gewissen Sinne
Kinder geblieben. Das darf man wirklich nicht unterschätzen und ich denke,
das wird auch von allen Kollegen als Grundlagenforschung gesehen und anerkannt.
Und diese Grundlagenforschung betreiben wir ja hauptsächlich, wenn wir Nanowissenschaften
machen: Diese Grundlagenforschung braucht nun einmal einen spielerischen
Zugang. Aber Sie sagen das ja auch ganz richtig: Das ist eine Methode, wie
man tatsächlich Erkenntnis gewinnen kann und auch technisch schwierige Dinge
kommunizieren kann. | | Gruber: | Das
Stichwort "Nano" hat ja Schlagzeilen gemacht: Es wird viel darüber geschrieben
und diskutiert. Dabei geht es natürlich auch immer wieder um die Frage, was
dieses gesamte neue Gebiet bringt. Wenn man das alles sozusagen auf den Boden
der wirtschaftlichen Tatsachen zurückführt: Was bringt Nano für die Wirtschaft,
für die angewandte Forschung? | | Heckl: | Zunächst
einmal müssen wir klar festhalten, dass wir im gegenwärtigen Stadium hauptsächlich
von Nanowissenschaften sprechen. Das heißt, wir erforschen die Grundlagen
dieser Welt, die auf der Nanometerskala ablaufen. Wir untersuchen also Atome
und Moleküle. Aber die Nanotechnologie ist natürlich schon etwas, das aus
diesen Nanowissenschaften entstehen soll. Nanotechnologie bzw. Nanowissenschaft
meint ja das Arbeiten mit bzw. das Sichtbarmachen von Molekülen auf der Skala
von Atomen, das Bauen wie mit dem Legobaukasten von unten herauf. Man setzt
also die Atome so zusammen, dass man nachher etwas aufbauen kann, was man
gerne hätte. Wenn Sie nun fragen, welche Bedeutung das für die Wirtschaft
hat, dann kann ich Ihnen Folgendes sagen. Es gibt erste Anwendungen, die
sich vor allem auf relativ einfache materialwissenschaftliche Aspekte beschränken.
Wir haben z. B. alle schon von diesen Nano-Beschichtungsverfahren gehört,
bei denen ganz dünne Schichten z. B. auf Glasoberflächen gebracht werden,
sodass dieses Glas dann wasser- und schmutzabweisend wird. Es gibt z. B.
auch Beschichtungen auf Brillengläsern aus Plastik, die auf diese Weise kratzfest
werden. Das alles betrifft also die Materialtechnologie. Im medizinischen
Bereich gibt es hier z. B. Beschichtungen von Implantaten, die dann biokompatibel
werden. Aber das ist wirklich erst der Anfang: Das sind sozusagen nur die
trivialsten Auswirkungen der ersten nanotechnologischen Produkte. | | Gruber: | Ich
habe aber schon den Eindruck, dass die Visionen auf diesem Gebiet weit, weit
über das hinausgehen, was gegenwärtig technisch möglich ist. Gut, Sie können
sagen, Visionen sind eben Visionen, die weit in die Zukunft hineinreichen.
Es werden aber im Grunde genommen immer wieder die gleichen Beispiele wie
eben diese Beschichtungen gebracht. Es wird auch viel von diesem Lotuseffekt
gesprochen, bei dem Oberflächen schmutz- und wasserabweisend gemacht werden
können. Der Weg zu diesen anderen Welten, die ich zu Beginn angedeutet hatte,
ist doch noch ein recht weiter Weg. | | Heckl: | Das
ist auf der einen Seite noch weit weg. Aber auf der anderen Seite dürfen
wir uns nicht täuschen: Vorhersagen für die Zukunft, wann etwas kommen wird,
sind nur furchtbar schwierig zu machen. Meines Erachtens kann man das gar
nicht machen. Wir müssen jedoch klar festhalten, dass der gesamte medizinische
Bereich, der gesamte Bereich des Lebens – und nicht umsonst forschen wir
ja an den Anfängen des Lebens, das ist unser Spezialgebiet, das mich auch
am meisten interessiert – aus wenn auch komplizierten Nano-"Maschinen", Nano-"Apparaten"
zusammengesetzt ist. Was ist ein Ribosom anderes als eine komplizierte nanomechanische
Assemblierungsmaschine? Das Ribosom liest ja in unseren Zellen die DNA ab
und baut dann Aminosäuren zu Proteinen zusammen. Sie ist also die Produktionsfabrik
für Proteine. Und so etwas ist eben nichts anderes als eine komplizierte
Nanomaschine. Stellen Sie sich vor, wir werden in Zukunft einmal solche Nanomaschinen
nachbauen oder zunächst einmal zumindest verstehen können: Das eröffnet auch
völlig neue Möglichkeiten, Krankheiten zu heilen. Wir wissen ja, dass bisher
fast alles unverstanden ist, was sich auf dem medizinischen Sektor im Sinne
von Krankheiten ursächlich abspielt. Diese Möglichkeiten, dort nun genau
hineinschauen zu können, wird ganz sicher unser Leben im 21. Jahrhundert
in einem Maß verändern, wie wir uns das heute noch gar nicht vorstellen können.
| | Gruber: | Das war
jetzt der Visionär Wolfgang Heckl. Gehen wir doch noch mal einen Schritt
zurück. Sie haben kurz selbst schon das Stichwort gegeben, als Sie gesagt
haben, Sie befassen sich hauptsächlich mit den Anfängen des Lebens. Das liegt
ja auch nahe, weil Sie schließlich Untersuchungen der Erbsubstanz vorgenommen
haben. Die Frage ist dabei nun, wie diese Erbsubstanz, wie dieser Bauplan
für alles Lebendige eigentlich in die Welt gekommen ist. Auch dazu haben
Sie ja einige eigene Ideen entwickelt. | | Heckl: | Ja,
da haben Sie vollkommen Recht. Zunächst einmal ist das ja eine völlig absurde
Frage: Wie kann ich tote Materie in lebende Materie überführen? Denn genau
das muss ja wohl vor ungefähr 4,6 bis 4,8 Milliarden Jahren einmal so passiert
sein. | | Gruber: | Sie lassen hier also bei dieser Betrachtungsweise die Schöpfung außen vor. | | Heckl: | Ja,
das ist sozusagen der methodische Atheismus, den wir in den Naturwissenschaften
anwenden müssen. Wenn wir immer gleich den lieben Gott für alles verantwortlich
machen würden, dann könnten wir nichts mehr forschen. Ich kann in dem Zusammenhang
auch an folgende Geschichte erinnern: Herzog Karl August richtete eines Tages
mal eine Anfrage an Goethe. Er wollte wissen: "Ist es möglich, aus Nicht-Lebendem
Lebendes zu erzeugen?" Das ist eine Frage, die eigentlich noch jede Menschengeneration
beschäftigt hat. Goethe hat ihm in diesem berühmten Briefwechsel aus dem
19. Jahrhundert die Antwort gegeben: "Selbstverständlich, das ist ganz einfach.
Ich habe nämlich folgendes Experiment gemacht. Ich habe einen Sack Sägespäne
mit Urin beträufelt, eine Woche lang gewartet und schon kamen alle möglichen
Würmer usw. herausgekrochen. Es ist also ganz einfach, aus Nicht-Lebendem
Lebendes zu erzeugen!" Es war allerdings der große Pasteur, der zum ersten
Mal gezeigt hat, dass dem eben nicht so ist. Denn er hat dieses Experiment
unter sterilen Bedingungen wiederholt: Da ist das dann überhaupt nicht passiert.
Genau für die Klärung dieser Frage hat er dann auch den Preis der französischen
Akademie der Wissenschaften erhalten. Aber nach Pasteur hatte man dann eben
dieses Problem: Wenn Lebendes nicht aus toter Materie entstehen kann, wie
war das dann am Anfang? Das ist genau der Punkt, bei dem wir einsteigen.
Wir sagen nämlich, dass schon am Ursprung des Lebens Nanotechnologie die
wesentliche Rolle gespielt hat, weil – und das sind unsere Experimente dazu
– wir mit diesem Rastertunnelmikroskop etwas Bestimmtes gesehen haben. Wir
können nämlich heute im Labor dabei zuschauen, wie diese Moleküle – die quasi
in der Ursuppe schwimmen –, indem sie gewissermaßen tanzen und chemische
Verbindungen eingehen, auf einer Mineraloberfläche plötzlich von selbst miteinander
Systeme erzeugen, die einen zweidimensionalen genetischen Code darstellen
und damit sozusagen anfangen zu leben. | | Gruber: | Könnten Sie schildern, wie das praktisch abläuft? | | Heckl: | Wir
können dazu wieder so ein Modell hier hernehmen. Wir haben also auf der frühen
Erde Kristalle, meinetwegen solche Kristalloberfächen, die in der Nähe einer
Ursuppe liegen, in der alle möglichen Bausteine des Lebens schwimmen und
die abiotisch, also chemisch entstanden sind. Diese Bausteine haben nun quasi
folgende Aufgabe: Wie machen wir aus all dem einen genetischen Code. Wie
machen wir daraus ein Protein, eine Enzym? | | Gruber: | Die wissen aber doch noch nichts, sie wissen doch noch gar nicht, dass sie etwas machen sollen. | | Heckl: | Sie
wissen es nicht. Sie sind sozusagen nur so intelligent, dass sie wissen –
und das hat nun, wie ich immer sage, der liebe Gott gemacht –, sie würden
gerne Wasserstoffbrückenbindungen machen, sie würden gerne auf eine ganz
bestimmte Weise nebeneinander zu liegen kommen. In dieser Ursuppe quirlt
aber alles komplett durcheinander und deswegen kommt das nie wirklich zustande.
Nun sehen diese Moleküle aber diese Templatoberfläche, wie wir das nennen,
und lagern sich hier an. Wenn sie sich aber hier anlagern, dann finden sie
zueinander in dieser stereospezifischen Art und Weise. Sie bilden also sozusagen
ein Muster, eine höher geordnete Struktur als sie zunächst vorhanden war.
|
;
|
| Gruber: | Ordnung ist also passiert. | | Heckl: | Ja,
hier ist Ordnung spontan entstanden. Aber nicht irgendeine Ordnung, sondern
Ordnung aus den Molekülen, die heute unsere DNA aufbauen, wie wir im Labor
zeigen konnten. Der nächste Schritt ist dann, dass solche Aminosäuren hinzukommen,
dass sich solche Aminosäuren hier ankoppeln. Wenn die Aminosäuren das tun,
wenn sie sozusagen diesem Code gehorchen, dann bilden sie ein Polypeptid
und ein Protein: und schon hat man sozusagen diese zwei Ausgangsstoffe, die
für das Leben notwendig sind. | | Gruber: | Das ist also wie in einem Baukastensystem: Es kommt immer mehr hinzu und wird größer. | | Heckl: | Ja, das ist sozusagen ein schrittweiser Aufbau vom Einfachen zum Komplexen. | | Gruber: | Da
ist aber auch noch eine Umwelt vorhanden, die vielleicht nicht immer damit
einverstanden ist – ich bleibe hier mal für einen Moment in diesem "vermenschlichten"
Bilde –, dass sich das so schön weiterentwickelt: Diese Umwelt wird vermutlich
einiges von dem auch wieder zerstören. | | Heckl: | Selbstverständlich
gibt es hier ein Gehen und Kommen. Wir nennen das eine Art von molekularer
Evolution: Wir haben Randbedingungen, die manche von diesen Konfigurationen
energetisch günstiger erscheinen lassen. Die Selektion, die dabei stattfindet,
ist nicht die darwinistische Selektion durch den Fressfeind, sondern die
darwinistische Selektion gemäß dem Kriterium, was energetisch günstiger ist.
Dadurch entstehen sozusagen bestimmte Strukturen, bestimme Baupläne, bestimmte
Blaupausen, die für bestimmte Proteine Enzyme codieren. So ergibt sich also
die Möglichkeit, dass aus sich heraus und abiotisch, ohne dass vorher bereits
Leben vorhanden gewesen wäre, die Hauptbestandteile des Lebens entstehen,
dass also dieser Code und dieses Protein entstehen. | | Gruber: | Der
Weg von solchen Anfängen zu Ihnen, lieber Herr Professor Heckl, ist natürlich
immens weit. So, wie Sie und ich hier sitzen, sind wir also letztlich in
der Evolution aus Molekülen zusammengebastelt worden. | | Heckl: | So
ist es. Der Weg ist zwar immens weit, aber auf der anderen Seite ist es auch
so: Die Tatsache, dass wir hier sitzen können, deutet ganz klar darauf hin,
dass diese Geschichte letztlich furchtbar einfach war. Denn es wäre sonst
nicht passiert. Wenn nicht der liebe Gott die Moleküle so geschaffen hätte,
insbesondere diese schwache Wasserstoffbrückenbindung, dann wäre das nicht
passiert. Es konnten sich also die Moleküle auf diese Weise miteinander verständigen
und spontan geordnete Systeme bilden – wir nennen das Selbstassemblierung.
Andernfalls wäre das nie passiert. Da es aber so ist, ist offensichtlich
dieses Prinzip sehr einfach und möglicherweise sogar ubiquitär: Das gilt
also möglicherweise nicht nur auf der Erde. Dort, wo sozusagen die Gesetze
der Physik gelten, muss auch dieses Prinzip möglich sein. Dies bringt uns
letztlich natürlich zu der Frage, ob das Leben auf der Erde entstanden ist
oder ob es von außen gekommen ist. | | Gruber: | Die Voraussetzung hierbei ist aber, dass die Gesetze der Physik, so wie wir sie kennen, überall im uns bekannten Kosmos gelten. | | Heckl: | Ja, das ist die Hoffnung hierbei. | | Gruber: | Davon geht man aber aus. | | Heckl: | Ja, man geht davon aus. Wir haben auch noch kein Gegenbeispiel dafür gefunden: Also können wir guten Gewissens davon ausgehen. | | Gruber: | Und dann, wenn ich Sie recht verstehe, kann bei entsprechenden Randbedingungen Leben überall entstanden sein. | | Heckl: | Ja,
da gibt es ja auch diese schöne, alte Diskussion von Carl Sagan und Ernst
Mayr. Carl Sagen ist ein Astrophysiker an der Cornell-University in New York,
Ernst Mayr ist Chemiker in Harvard. Zwischen diesen beiden gab es nun eine
berühmte Diskussion. Carl Sagan ist ja vielen Zuschauern vielleicht über
die Serie "Cosmos" bekannt geworden. Er hat immer gesagt: Die Möglichkeiten,
dass Leben irgendwo entstehen könnte, sind so groß, weil alleine unser Kosmos,
unsere Milchstraße, etwa 100 Milliarden Sonnen hat. Im Mittel hat jede Sonne
einen Planeten und daher gibt es 100 Milliarden Möglichkeiten alleine in
unserer Milchstraße. Mayer hat hingegen immer so argumentiert: Es müssen
dafür jedoch sehr, sehr spezielle Randbedingungen gegeben sein. Es muss z.
B. flüssiges Wasser geben usw. Es ist also äußerst unwahrscheinlich, dass
noch irgendwo anders Leben entstanden ist. Auch Monot hat so argumentiert.
Er sagte immer, wir seien "the loneliest creature in the universe", das einsamste
Wesen im ganzen Universum. Es gäbe also demnach nur uns, eben weil es so
äußerst unwahrscheinlich ist, dass Leben entsteht, weil es solche vielen
äußerst speziellen Randbedingungen dazu braucht. Im Grunde genommen stellt
sich also die Frage: Was ist das Produkt aus unendlich vielen Möglichkeiten,
multipliziert mit einer fast gegen Null gehenden Wahrscheinlichkeit, dass
das überhaupt passiert? Wenn Sie einen Mathematiker fragen, was nahe Null
mal Unendlich ist, dann sagt er Ihnen, dass dabei jede Zahl herauskommen
kann. Das heißt, wir wissen es wieder nicht genau, sind wieder nicht weitergekommen.
Ich selbst glaube jedenfalls, dass es die Gesetze der Physik erlauben, dass
diese Vorgänge, die auf der Erde stattgefunden haben, auch anderswo möglich
sind. Vielleicht haben sie ja auch gar nicht auf der Erde stattgefunden und
das Leben ist gemäß der Panspermie-Hypothese über Kometen usw. zu uns gekommen.
Diese These verlagert natürlich nur die Frage, wie das Leben eigentlich entstanden
ist. Nach wie vor sind wir jedoch daran interessiert zu wissen, ob wir das
verstehen und im Experiment heute sogar nachbilden können. | | Gruber: | Damit
sind wir bei einem weiteren Interessens- und Forschungsgebiet von Ihnen angelangt.
Wenn Sie sagen, dass das Leben auch woanders hat entstehen können, dann schließt
sich hier natürlich sofort die Diskussion an, ob es vielleicht auch auf dem
Mars Leben gibt. Dies interessiert Sie persönlich und wissenschaftlich auch
sehr. | | Heckl: | Wir
würden natürlich gerne andere Planeten zuerst untersuchen, aber der Mars
ist nun einmal der nächste Planet von uns aus. Wir wissen natürlich schon,
dass auf dem Mars keine grünen Männchen leben. | | Gruber: | Er
bietet aber auch den großen Vorteil, dass er im Vergleich mit der Erde viele
Ähnlichkeiten aufweist. Der Jupiter wäre hierbei vermutlich nicht so günstig.
| | Heckl: | Ja, das
auch. Aber wir würden z. B. auch ganz gerne den Planeten Europa untersuchen:
Der ist halt leider nur ein bisschen weiter weg. Unser nächstes Ziel, das
nächste Ziel der Raumfahrtorganisation im astrobiologischen Zusammenhang,
also im Hinblick auf die Suche nach Leben, besteht also darin, den Mars zu
erforschen. Wir wissen alle, dass dort keine grünen Männchen herumlaufen,
aber wir gehen eben davon aus, dass Wasser eine wichtige Voraussetzung für
Leben ist. Die Frage lautet also: Gibt es heute noch Wasser bzw. hat es historisch
Wasser in flüssiger Form auf dem Mars gegeben? Dazu haben wir ein Experiment
vorbereitet, bei dem wir auch schon erste Testexperimente in Schwerelosigkeit
gemacht haben. Zwei meiner Studenten sind dabei in Schwerelosigkeit geflogen
und haben dabei das von uns gebaute Rastersondenmikroskop überprüft: Sie
prüften, ob es überhaupt in der Lage ist, in Schwerelosigkeit zu funktionieren.
Wir würden also gerne ein solches Rastersondenmikroskop z. B. auf die Marsoberfläche
schicken, um dort Sandkörner einzusammeln. Denn auf Sandkörner können sich
Spuren von Wasser sozusagen eingraben: Es sind also auf dem Sandkorn dann
so genannte Fingerprints hinterblieben. Wir untersuchen also, ob auf einem
Sandkorn solche Fingerprints vorhanden ist. | | Gruber: | Müssen Sie dazu selbst auf den Mars fliegen? | | Heckl: | Nein,
wir haben dazu einen so genannten Mars-Rover, so einen kleinen Lander gebaut.
Dieser Lander hier wird mit einem Rasterkraftmikroskop ausgestattet. (Professor
Heckl lässt einen solchen kleinen Lander auf dem Studioboden laufen) | | Gruber: | Wo wäre hier dieses Rasterkraftmikroskop? | | Heckl: | Es
wäre hier oben innen drin. Der Lander krabbelt also über die Marsoberfläche,
wenn er von uns von unten ein bestimmtes Signal bekommt. Er nimmt dann Sandkörner
auf und führt sie in seinen Experimentierbereich hier oben. Dort tastet dann
ein Rasterkraftmikroskop ab, ob auf dem Mars auf den einzelnen Sandkörnern
Ätzmarken von Wasser zu finden sind. Falls sich diese Ätzmarken finden würden,
wäre das ein direkter Beweis für das Vorhandensein von flüssigem Wasser.
Auf der Erde haben wir das in der Form bereits nachgewiesen. Wenn wir das
also auch auf dem Mars nachweisen könnten, hätten wir einen direkten Beweis
dafür, dass es über Jahrmillionen hinweg auf dem Mars flüssiges Wasser gegeben
hat. | | Gruber: | Sie haben also auf der Erde bereits gezeigt, dass dieses Gerät funktioniert, dass es in dieser Weise Sand aufnehmen kann. | | Heckl: | Ja,
das auch, aber wir haben vor allem gezeigt, dass die Methode funktioniert:
Wir haben dazu nämlich mit dem Rasterkraftmikroskop Sand aus der Sahara mit
Sand aus irgendeinem Seengebiet verglichen. Wenn wir diese verschiedenen
Sandkörner mit dem Rasterkraftmikroskop untersuchen, finden wir eindeutige
Unterschiede. Das eine Sandkorn hat Ätzmarken: Das ist charakteristisch für
das Vorhandensein von Wasser. Das andere hat eine zerklüftete Oberfläche,
die, wie wir das ausdrücken, charakteristisch für Windtransport ist. Das
gleiche Experiment kann man eben mit so einem Lander und einem Rasterkraftmikroskop
auf dem Mars oder auf jedem anderen Planeten machen. Es wird in dem Zusammenhang
ja noch etwas diskutiert: Man kann bei dieser Methode auch gleich herausfinden,
ob heute noch in den äquatorialen Breiten des Mars Wasser als dünne Schicht
auf solchen Oberflächenkristallen vorhanden ist. | | Gruber: | Wie konkret ist denn dieser Flug zum Mars? | | Heckl: | Das
ist sozusagen eine politische Frage, denn so etwas hängt ja immer an der
Politik und am Geld. Die Konkretisierung auf wissenschaftlicher Seite ist
jedoch sehr wohl vonstatten gegangen. Eine österreichische Gruppe ist ja
dabei, nächstes Jahr zum Kometen zu fliegen, um dort mit einem Rasterkraftmikroskop
direkt auf einer Kometenoberfläche Untersuchungen vorzunehmen. Das heißt,
die technischen Möglichkeiten sind eigentlich den politischen Möglichkeiten
weit voraus. Das Ganze hat natürlich immer auch eine finanzielle Komponente.
Wir werden einen solchen Flug zum Mars aber in absehbarer Zeit erleben. Ich
sag mal, dass das in ein paar Jahren der Fall sein wird. | | Gruber: | Das
sind natürlich sehr faszinierende, spannende und spekulative Gebiete. Aber
es gibt auch noch ganz andere Anwendungen von Nanotechnik. Ein großes Gebiet
ist hierbei natürlich die Medizin. Sie hatten vorhin ja bereits angedeutet,
dass auf diesem Gebiet sehr viel passiert und dass man sich da durchaus noch
viel mehr Anwendungsmöglichkeiten vorstellen kann. Damit kommen wir nun aber
möglicherweise in das Gebiet von Sciencefiction. | | Heckl: | Es
ist natürlich immer Sciencefiction, wenn man in die Zukunft blickt, aber
wir wissen doch spätestens seit Jules Verne, dass Sciencefiction durchaus
zur alltäglichen Realität und sogar zur Trivialität werden kann. Zunächst
heißt es ja immer: Das ist unmöglich! Dann heißt es, das sei möglich, aber
nicht interessant. Und am Ende heißt es, das sei ja ganz klar, das hätte
man immer schon so gesagt. Heinrich Hertz hat bei der Entdeckung der elektromagnetischen
Wellen gesagt, er könne sich nicht vorstellen, dass es dafür jemals eine
Anwendung geben könnte. Wir alle leben aber doch heute mit Radio, Fernsehen
usw. Man kann das also nie vorhersagen. Sie spielen vielleicht auf Folgendes
an. Man könnte nämlich auch sagen: Mit Hilfe der Nanotechnologie ist der
Mensch sozusagen zum ersten Mal in der Lage, Dinge zu schaffen, die bisher
der Natur vorbehalten waren. Er kann damit nämlich vielleicht auch mal auf
künstlichem Wege reproduktionsfähige und vermehrungsfähige Systeme schaffen.
| | Gruber: | Stellen
wir das doch noch einen kurzen Augenblick zurück und gehen zunächst zu etwas
Einfacherem. Es wird ja auch immer wieder darüber diskutiert, dass man sozusagen
kleine Reparatureinheiten in den Körper schickt, die dort dann meinetwegen
kleine Ablagerungen wegraspeln oder irgendwelche Stoffe an bestimmte Stellen
bringen. Das ist doch vielleicht noch eher wahrscheinlich, oder? | | Heckl: | Nun
gut, das ist natürlich so eine Art von Archetyp dessen, was wir gerne hätten.
Ihnen schwebt jetzt bestimmt das Bild vor, dass es so kleine Mini-U-Boote,
so kleine Roboter gibt, die unsere Adern z. B. von all den Kalkablagerungen
und von all den Verfehlungen im gesundheitlichen Bereich usw. reinigen. | | Gruber: | Damit könnten z. B. auch Raucherlungen wieder gesäubert werden. | | Heckl: | Ja,
zum Beispiel. Im Grunde genommen ist diese Vorstellung quasi ein Archetyp.
Es ist aber dabei überhaupt noch nicht geklärt, wie das jemals funktionieren
könnte. Denn alleine schon das Immunsystem des Menschen würde natürlich solche
kleinen Nano-Invaders oder Nano-Robots sehr stark angreifen. Auf der anderen
Seite gilt trotzdem wieder der Satz: In der Form, wie wir uns das bisher
sozusagen als Zeichnung vorstellen, wird es wohl nicht kommen. Aber vielleicht
kommt das in einer anderen Form. Das heißt also, dass wir natürlich davon
ausgehen müssen, dass die Mechanismen, die in der Medizin, in unserem Körper,
in der Biologie wirken, sich auf der Nanometerskala bewegen. Wenn ein Immunsystem
reagiert, dann hat das damit zu tun, dass ein nanoskopisches Antigen und
ein nanoskopischer Antikörper miteinander in Wechselwirkung treten. | | Gruber: | Das heißt, unsere Immunzelle erkennt meinetwegen irgendeinen Fremdstoff und tritt dann in eine Beziehung zu ihm. | | Heckl: | Es
kommt zu elektrostatischen, elektromagnetischen Wechselwirkungen. Und genau
diese Wechselwirkungen zwischen einzelnen Atomen, zwischen einzelnen Molekülen
– und wir können ja bereits einzelne Moleküle bearbeiten und hin und her
schieben, wie wir gezeigt haben – können wir auf dieser Skala dann natürlich
auch messen: Mit der können wir bereits umgehen. Wir können das heute zwar
erst in einfacher und primitiver Art und Weise, aber wir können es immerhin.
Also ist zumindest der gedankliche Schritt möglich, das eines Tages auch
umzusetzen. Dass das dann in der Praxis noch große Schwierigkeiten bereiten
wird, ist schon klar. Aber man kann zumindest gedanklich heute schon nicht
mehr behaupten, dass es überhaupt nie möglich sein wird, mit Hilfe nanotechnologisch
erzeugter Verfahren oder Mittel in heilender Weise in den Körper, in den
Stoffkreislauf einzugreifen. | | Gruber: | Für
ein lebendes System ist der Stoffwechsel ja etwas ganz Entscheidendes. Wir
nehmen im Grunde genommen dadurch Energie auf. Nun kann man sich zwar vorstellen,
dass in solchen Nanomaschinen auch irgendwelche Mini-Batterien drinstecken.
Aber irgendwann wird diese Batterie dann auch leer und der Energievorrat
erschöpft. Kann man sich aber auch vorstellen, dass diese Systeme eines Tages
in energetischer Hinsicht selbständig sind? | | Heckl: | Ja,
ja, sie könnten natürlich ihre Energie z. B. aus den Stoffwechselprodukten,
die im Körper vorhanden sind, beziehen. Das wäre meinetwegen der Fall, wenn
jemand eine Nanomaschine bauen könnte, die mit ATP betrieben werden kann.
| | Gruber: | Also mit dem Brennstoff in unseren Zellen. | | Heckl: | Genau,
dann könnte sich diese Nanomaschine ihren Brennstoff quasi vor Ort nehmen.
Wenn jemand eine Nanomaschine bauen könnte, die kleine Solarzellen, die winzige
nanometrische Solarzellen in sich hat, dann wäre das auch in dem Fall möglich.
Diese kleinen Nanomaschinen könnten sich dann z. B. als Mini-Fluggerät in
der Natur befinden. Wenn man viele davon hätte, wenn man sie sozusagen in
einem Schwarm herstellen könnte, dann wäre das wie in einem Fisch- oder Vogelschwarm:
Die einzelnen nanoskopischen Maschinchen wären beliebig dumm, sie würden
nur wissen, Halte dich an deinen Nachbarn, tu das, was der andere auch macht.
Aber der Schwarm als Ganzes sozusagen würde kollektiv gewünschte Funktionen
erzeugen können. | | Gruber: | Wir
sprechen hier immer noch von kleinen und kleinsten Geräten, die wir bauen
und in bestimmter Weise einsetzen könnten. Aber diese kleinsten Maschinen,
und das ist ja der Traum bzw. die Schreckensvision, könnten sich dann sogar
selbst bauen: Sie könnten ihre eigenen Nachkommen schaffen, sie könnten sozusagen
Reproduktion auf nicht-biologische Weise betreiben. | | Heckl: | Hier
sind wir nun genau an diesem Schnittpunkt angelangt, was eigentlich Leben
ist, wie die Definition von Lebendigem zu geben ist. Wo ist der Übergang
zwischen Künstlichem und Lebendigem? Das ist eine äußerst schwierige Frage,
weil wir ja schon bei Computerviren nicht mehr ganz genau wissen, ob sie
die Definition von Leben erfüllen, nämlich die Forderung nach Reproduktionsfähigkeit.
Wir wissen also nicht so genau, ob diese Definiten auf Computerviren zutrifft.
Ich persönlich würde einerseits sagen, dass das auf diese Viren nicht zutrifft.
Auf der anderen Seite ist aber z. B. der Nachweis, dass ein System eine darwinistische
Evolution vollführen kann, das sich dieses System also auf äußere Reize hin
verändern und weiterentwickeln kann, natürlich eine der besten Definitionen
von Leben überhaupt. Wenn nun solche Nanomaschinen, von denen Sie soeben
gesprochen haben, in der Lage wären – das ist natürlich im Moment alles noch
Sciencefiction –, sich sozusagen selbst zu reproduzieren, dann könnten wir
allerdings schon solche Systeme bekommen, die dann potentiell auch gefährlich
werden könnten. | | Gruber: | Sie
selbst haben vorhin darauf hingewiesen, dass aus Sciencefiction schon oft
Science geworden ist. Was ist dann also Ihre Conclusio in dem Fall? | | Heckl: | Nun
ja, die Conclusio ist hier nicht so einfach zu ziehen. Auf der einen Seite
würde ich sagen, dass solche Horrorszenarien, wie wir sie momentan ja auch
in Büchern oder in Filmen vorgestellt bekommen, physikalisch eigentlich nicht
möglich oder nur ganz, ganz schwer denkbar sind. Sie sind jedenfalls nicht
so möglich, wie sie uns zurzeit in der Sciencefiction präsentiert werden.
Auf der anderen Seite lohnt es sich aber schon darüber nachzudenken, ob diese
Schnittstelle von Nanotechnologie und Biotechnologie nicht bedenkenswert
ist. Man könnte ja z. B. auch Bakterien dazu bringen, solche Nano-Assembler
zu vermehren. Man könnte hier die Technik anwenden, dass wir in ein Bakterium
einfach einen bestimmten Code einschleusen und dieser Code dann eben diesen
Nano-Assembler reproduziert. Das wäre dann wirklich eine Vermischung von
Bio- und Nanotechnologie. | | Gruber: | Da wird es dann eben schwierig, das überhaupt auseinander zu halten. | | Heckl: | Man könnte ja nanotechnologische Verfahren auch bei der Sequenzierung einsetzen. | | Gruber: | Um also das Erbgut in seine einzelnen Buchstaben zu zerlegen. | | Heckl: | Ja,
oder sie im umgekehrten Fall dann sogar Neues zusammenbauen zu lassen. Diese
Schnittstelle, auf die wir uns hier zu bewegen, ist natürlich schon eine,
die wir sehr genau ins Blickfeld nehmen müssen. Wir müssen uns hier genau
überlegen, ob wir nicht von vornherein so etwas wie eine Technikfolgenabschätzung
usw. betreiben müssen. Wir müssen uns jedenfalls bewusst darüber sein, dass
die Entwicklung garantiert dorthin gehen wird. Und deswegen müssen wir uns
auch darüber klar werden, dass wir all die Debatten, die wir in der Gentechnik
hatten – als Vorbild in positiver wie negativer Hinsicht –, dann auch in
der Nanotechnologie bekommen werden. Davon bin ich überzeugt. | | Gruber: | Die
Frage ist hier natürlich nur, ob wir diese große Debatte mit all ihren Abwehrmechanismen
nicht bereits so früh bekommen, dass die Wissenschaft völlig blockiert wird.
| | Heckl: | Das ist
eine der großen Gefahren. Die Gefahr ist, dass wir bereits jetzt bei bestimmten
Dingen darüber debattieren, wie wir etwas verhindern können, wo wir doch
quasi von der Laborseite her von diesen Dingen noch meilenweit entfernt sind,
wo wir sagen müssen, "Menschenskinder, wir verstehen ja noch kaum, wie die
quantenmechanischen Mechanismen überhaupt funktionieren". Gut, ich kann mit
einem Molekül arbeiten und ich selbst habe ja auch das kleinste molekulare
Loch der Welt gemacht, das als kleinstes atomares Loch ins Guinessbuch der
Rekorde einging. Aber letztlich ist es doch so, dass wir das alles noch nicht
wirklich verstehen. Wir sind von diesen futuristischen Szenarien also noch
meilenweit entfernt. Sollen wir also bereits heute darüber diskutieren, ob
und wie wir das gegebenenfalls verhindern müssen? Sollen wir also heute deswegen
bereits eine Ethikkommission einrichten? Ich meine, das wäre alles schon
noch ein bisschen arg früh. Auf der anderen Seite weiß ich aber auch, was
die Kollegen in den USA alles machen. Ich weiß auch, dass der Schweizer Wissenschaftsrat
momentan gerade eine Studie vorbereitet zu ethischen Problemen der Nanowissenschaften
bzw. Nanotechnologien. Hier wird gefragt, was da alles auf uns zukommt. Ein
Stichwort hierbei lautet z. B.: Sind Nanopartikel krebserregend? Kann man
neue Krankheiten mit solchen Nanobots auslösen? Können hier auf unkontrollierte
Weise künstliche Viren in die Umwelt gelangen usw.? Alle diese Gebiete sind,
wie gesagt, gekennzeichnet durch das Zusammenwachsen von Bio- und Nanotechnologie
und auch von Informationstechnologie. Denn auch in der Informationstechnologie
gibt es z. B. diese Idee von Robotern, von Crawlern, die sozusagen autark
vor sich hin arbeiten und als kleine Progrämmchen bestimmte Dinge tun. Diese
drei Punkte zusammen, diese Melange sozusagen, müssen wir meines Erachtens
schon im Auge behalten. Ich plädiere allerdings dafür, dass wir uns hier
aus der Wissenschaft selbst heraus überlegen müssen, was wir tun wollen und
was wir nicht tun wollen. | | Gruber: | Es
ist oft schwierig auseinander zu halten, ob eine bestimmte Diskussion ein
Forschungsgebiet befördert, denn ein bisschen Trommeln gehört ja schon auch
zum Handwerk, weil es dann mehr Forschungsmittel etc. gibt, oder ob diese
Diskussion nicht genau das Gegenteil bewirkt, sodass plötzlich diese großen
Schatten auftauchen. | | Heckl: | Das
kann man per se einfach nicht sagen. Auf der einen Seite ist es gut, wenn
die demokratische Gesellschaft informiert ist und auch wirklich mitredet.
Dafür würde ich also immer plädieren, denn Informationen sind in einer demokratischen
Gesellschaft das A und O. Dennoch beginnt die Sache hier natürlich auch schwierig
zu werden. Es kommt nämlich zu folgender Frage: Wer entscheidet denn jetzt
auf der Basis von welchen Schlussfolgerungen aufgrund dieser Informationen,
was erlaubt und was nicht erlaubt sein soll? Es hat ja z. B. auch schon die
Forderung gegeben, in der Nanotechnologieforschung ein Moratorium zu machen.
Wir als Forscher sind natürlich der Meinung, dass so etwas überhaupt nicht
hilfreich ist, dass es überhaupt nicht hilfreich ist, wenn man anfängt sozusagen
etwas abzuwürgen, bevor man noch verstanden hat, was man überhaupt tun könnte
damit. | | Gruber: | Kommen wir doch zum Schluss unseres Gesprächs zu dem zurück, was in naher Zukunft von der Nanotechnologie zu erwarten ist. | | Heckl: | Wenn
ich mal auf unser eigenes Experimentierfeld kommen darf: Wir haben z. B.
einen Nano-Manipulator gebaut. Das ist ein Gerät, mit dem man die "Grobheit"
der Handbewegung, mit dem man also unsere Handbewegungen auf Millimeterebene
in nanometrische Bewegungen übersetzen kann. Das ist ein Joystick, also so
eine Art Knüppel geworden. Mit diesem Knüppel können wir nun nanometrische
Bewegungen im Sinne einer molekularen Operationstechnik machen. | | Gruber: | Heißt
das, dass man mit einem Joystick, den man vom Computer her kennt, dann auch
Moleküle bewegen kann, Löcher in sie hineinbohren kann usw. | | Heckl: | Ja,
so ist es. Wir haben z. B. auch schon mal mit ungefähr 100 Molekülen das
Logo der Ludwig-Maximilians-Universität, also dieses "LMU", geschrieben.
Das ist natürlich das kleinste Logo der LMU, das jemals geschrieben wurde.
Wenn wir mit dieser Speicherdichte tatsächlich speichern könnten, könnten
wir die gesamte Bayerische Staatsbibliothek auf einen Quadratmillimeter bringen.
| | Gruber: | Das wäre dann aber für die Mitarbeiter der Staatsbibliothek vielleicht doch ein kleines Problem. | | Heckl: | Nun
gut, in dem Fall müsste man all die Bücher hinterher auch wieder vergrößern,
um sie anschauen zu können. Aber ich sage dennoch immer, dass wir damit jedenfalls
das Storage-Problem in den Archiven gelöst hätten. Die ganze Entwicklung
in der Computertechnik geht selbstverständlich in die Richtung, immer noch
höhere Speicherdichten auf noch kleineren Dimension zu erzeugen. Ich möchte
darüber hinaus auch noch daran erinnern, dass molekulare Kunst mein Hobby
ist: Das heißt, wir zeichnen bereits mit einzelnen Molekülen, wir machen
Gemälde damit. Stellen Sie sich vor, dass Gemäldesammlungen nur noch ein
Archiv zur Verfügung stellen müssten, das solche Nano-Bilder aufnimmt. | | Gruber: | Man bräuchte dann auch keine großen Museen mehr. | | Heckl: | Na
ja, der Mensch will diese Bilder dann natürlich schon auch gerne sehen. Dazu
müssen wir diese Bilder dann wieder mit dem Faktor 100 Milliarden vergrößern.
Wenn man so ein Bild dann aber abhängen würde, dann könnte man es quasi wirklich
winzig klein in die Schublade stecken. | | Gruber: | Lieber
Professor Heckl, ich denke, das war jetzt wirklich eine sehr, sehr eindrucksvolle
Tour d'horizon: von den großen Visionen zu den praktischen Anwendungen, zu
dem, was in naher Zukunft kommen wird. Ich denke, es ist wichtig, dass man
immer beides miteinander verbindet. Man muss also einerseits die Spannung
aufrecht erhalten, darf aber andererseits nicht völlig falsche Visionen oder
Hoffnungen oder Befürchtungen erwecken. Liebe Zuschauer, herzlichen Dank,
das war das heutige Alpha-Forum mit dem Experimentalphysiker und Nano-Wissenschaftler
Professor Wolfgang Heckl. |
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